Rangergeschichte

Ein Herz
für Amphibien

Glibbrig, glitschig und mit Wanzen besetzt - Amphibien haben wohl trotz Froschkönig nicht den besten Ruf. Doch gerade diese kleinen Tiere liegen der Biologin und Nationalpark Rangerin Eva Pölz (Donau-Auen) besonders am Herzen. Seit Jahren koordiniert sie den Amphibienschutzzaun in Orth an der Donau und zeigt dabei, wie man durch Naturschutzprojekte wahre Begeisterung entfachen kann.

(c)Eva Pölz

Artenschutz durch Freiwillige

Die Klassiker unter der „flattened fauna“, die Amphibien, konnte man immer wieder an der Uferstraße in Orth Richtung Donau ausgiebig studieren. Flache, breite, ledrige - das waren die Erdkröten. Schwarze, langgestreckte, mit ein bisschen orange mittendrin: klar, Donau-Kammmolche. Glibbrig mit langen Haxen- sehr wahrscheinlich Springfrosch. Bei 13 Arten zur Auswahl muss man allerdings schon fit sein mit der geistigen Verdreidimensionalisierung der Artefakte. Etwas später im Jahr kann die „flattened fauna“ an dieser Stelle noch um Europäische Sumpfschildkröte, Ringelnatter und Zauneidechse ergänzt werden.

Noch schöner ließe sich jedoch natürlich die Bestimmung der herpetofaunistischen Vielfalt im Nationalpark am lebenden Tier üben, mit dem schönen Haupteffekt, dass die Tiere auch noch ohne überfahren zu werden, ihrer Fortpflanzungstätigkeit nachgehen könnten. Wenn man doch nur einen Zaun errichten könnte…

Kann man!

Die Straße um die es geht, existiert schon länger als der Nationalpark selbst und führt zu einem beliebten Ausflugsziel, einem sogenannten hot spot innerhalb des Gebiets.

Allerdings existieren Amphibien noch viel länger als es solch stark befahrene Straßen gibt und so sind deren Anpassungsmöglichkeiten daran derzeit noch recht begrenzt, was im Vorfrühling oft zu Leichenteppichen führte.

Seit 2013 wird jedes Jahr an einer Schlüsselstelle, wo mehrere Gewässer bis an die Straße heranreichen, von Mitarbeitern der Österreichischen Bundesforste in Handarbeit ein temporärer Amphibienzaun errichtet, Löcher für Kübel gegraben und die Lauffläche mit Rindenmulch belegt.

Ich koordiniere nun schon die 9. Saison jährlich um die 10 ehrenamtliche HelferInnen vorwiegend aus den Anrainergemeinden (die die Zaunbetreuung oft in Begleitung ihrer Kinder bzw. Nichten und Neffen vornehmen), ergänzt um KollegInnen aus dem Nationalpark. Außerdem wird das Amphibienzaunprojekt von Anbeginn als Schulkooperation mit den jeweils 2. Klassen der ortsansässigen Mittelschule geführt. Nur dieses Jahr muss die Betreuung des Zaunes leider ohne die vielen zusätzlichen helfenden Hände auskommen. Doch gerade dieses Jahr blickt man gerne auf diese Erinnerungen zurück.

(c)Staringer

Ein Herz für Amphibien

Ich muss sagen, dass die Aktivitäten rund um den Amphibienzaun mittlerweile zu meinen Lieblingsbeschäftigungen im Nationalpark zählen. Abgesehen von seiner Schutzfunktion ist der Zaun ein einmaliges Naturvermittlungselement. Ob Einschulung eines neuen Betreuungs-Teammitglieds, Spezialexkursion oder die Betreuung zusammen mit den Schülerinnen und Schülern, der Effekt bleibt immer gleich und hat in all den Jahren nie versagt: Amphib in die Hand nehmen lassen, warten, Begeisterung ernten.

Die Tiergruppe ist dankbar, weil sie sich tatsächlich gut in die Hand nehmen lässt und man unterschiedliche Verhaltensweisen gut beobachten kann. Artbestimmung aus dem Lehrbuch? Pffff! Die Schülerinnen und Schüler haben nach dem 4., 5. mal einen Springfrosch im kleinen Finger. Das ist nachhaltigeres Lernen als irgendwelche Merkmale einzig theoretisch aus dem Buch auswendig zu lernen. Manche Kinder brauchen etwas länger zur Überwindung, sitzen etwas länger verzagt vor dem Kübel, aber wenn erst der Bann gebrochen ist, tauchen die Kinder voller Begeisterung bis zum Bauchnabel Kopf voran hinein und zum Schluss sind es immer zu wenig Kübel gewesen. Ein gewisser Sammeltrieb und Neugierde scheinen da auch noch mitzuspielen und so macht das Ganze einfach tierisch Spaß. Auch Spinnen, Asseln, Tausendfüßer, Ölkäfer, Laufkäfer, Tigerschnegel, Maulwurfsgrillen, Feldgrillen, Igel und Mäuse schauen vorbei. Und eben auch die Begegnung mit Reptilien fasziniert. Da größere Ringelnattern die Kübel selbstständig verlassen können, sind es nur die 1- 2-jährigen, die verbleiben. Und womit könnte man Ängste besser abbauen, als mit entzückenden, winzigen Ausgaben von Schlangen, die zeitig in der Früh auch noch recht wenig zappeln und sehr zahm wirken?

Insgesamt gilt also: Morgensport (Kniebeugen, Scherenschritt über den Zaun, Rückenstrecker tief in den Kübel) plus gute Tat plus Tierkontakt = ein guter Start in den Tag.

Warum ich es wichtig finde, dass gerade Kinder ihre Arten vor der Haustüre kennen?

Die Dichte und Artenzahl an Amphibien ist mit der starken Nutzungsänderung der Landschaft seit der Generation meiner Großeltern stark im Abnehmen. Wir brauchen Referenzerfahrungen in der breiten Bevölkerung, damit uns ein möglicher weiterer Artenschwund in einigen Jahrzehnten auffällt und betroffen macht. Ich hoffe, dass ich zumindest in einigen der Kinder, die die Arten am Amphibienzaun kennengelernt haben, dazu eine kleine Basis angelegt habe.

 

Text: Eva Pölz

(c)Eva Pölz
(c)Jacqueline Balog

 
 

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