Hohe Tauern

Walderhebung im Salzburger Anteil
des Nationalparks

Das Forschungsprojekt „Erfassung der Wälder im Salzburger Anteil des Nationalparks Hohe Tauern“ sollte eine repräsentative Ersterfassung zu Vorkommen und Verbreitung der aktuellen und potenziell-natürlichen Waldgesellschaften, eine Analyse zu deren Erhaltungszustand sowie die Einrichtung von Monitoring-Flächen zur langfristigen Dokumentation der natürlichen Entwicklung aller im Gebiet vorkommenden Waldgruppen beinhalten.

 

(c)NPHT F. Rieder

Die Ergebnisse:

Daten

Knapp 13.800 ha bzw. 17 % sind im Nationalpark Hohe Tauern Salzburg von Wald bedeckt. Dazu wurden umfangreiche Geländeerhebungen durchgeführt: auf 160 Probeflächen – stratifiziert und repräsentativ auf alle Waldgruppen im Gebiet verteilt – wurden Daten zu Standort, Vegetation, Bestand, Totholz und Nutzung sowie Wild- und Weideeinfluss erhoben. Für 30 Erhebungspunkte erfolgte eine vertiefte Erhebung von Bestandsparametern im Rahmen der Ersteinrichtung von Monitoring-Flächen.

Karten

Aus diesen Erhebungsdaten konnte nun erstmals mittels Modellierung eine flächendeckende Karte der potenziell-natürlichen Waldgesellschaften für das Schutzgebiet erstellt werden. Neben den terrestrisch erhobenen Daten flossen flächige GIS-Daten sowie Referenzdaten aus anderen Forschungsprojekten zum Gebiet in die Modellierung ein.

Die Verbreitung der aktuellen Waldgesellschaften wurde zunächst aus der bestehenden CIR-Luftbildinterpretation abgeleitet und dann anhand der aktuellen Geländebefunde, den Daten aus der Salzburger Biotopkartierung sowie für die eindeutig unterscheidbaren Baumarten wie Lärche versus Fichte oder Zirbe mittels visueller Interpretation aktueller Orthofotos am Bildschirm korrigiert. Damit liegt nun auch zu diesen eine aktuelle flächendeckende Information vor.

Erhaltungszustand

Auf allen 160 Erhebungsflächen wurde eine ökologische und naturschutzfachliche Bewertung mit Hilfe folgender Indikatoren durchgeführt: Flächengröße, Baumartenmischung, Struktur, Nutzung, Totholz, Störungszeiger, Wildeinfluss und Hydrologie. Aus der Kombination der einzelnen Indikatoren wird auf Basis dieser repräsentativen Stichprobe der Gesamterhaltungszustand für die jeweilige Waldgruppen ermittelt.

Waldgruppen sind Einheiten von vegetations- und standortskundlich unterschiedlichen Waldgesellschaften, welche durch die Leitbaumart einer bestimmten Höhenstufe bestimmt sind: Zirbenwälder, Lärchenwälder, subalpine Fichtenwälder, Tannenwälder, Edellaubholzwälder aus Ahorn, Esche und Bergulme, Grauerlenwälder, Buchenwälder und Fichten-Tannen-Buchenwälder, Grünerlen- und Latschengebüsche. Damit liegen nun erstmals flächendeckende Aussagen zum Erhaltungszustand der Wälder im Nationalpark vor. Das Netz aus den 30 Monitoring-Flächen wird der regelmäßigen Überprüfung des Erhaltungszustandes dienen.

(c)R. Klosterhuber
(c)R. Klosterhuber

Eine Auswertung der Daten im Hinblick auf die potenziell-natürlichen Waldgesellschaften im Gebiet ergibt folgendes Bild: global betrachtet entsprechen 30 % der Wälder im Nationalpark auch dem potenziell-natürlichen Waldtyp und erhalten damit den Erhaltungszustand „hervorragend“. 36 % wird dahingehend ein „guter“ und 34 % nur ein „beschränkter“ Erhaltungszustand bescheinigt, wobei die „Baumartenmischung“ einen Schlüsselindikator mit der höchsten Gewichtung darstellt.

Bezogen auf die Waldgruppen fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus, wie folgende Beispiele zeigen:

  • 46 % der Zirbenwälder entsprechen auch dem potenziell-natürlichen Zustand und erreichen damit den höchsten relativen Anteil an Beständen mit dieser hervorragenden Bewertung.
  • 15 % der subalpinen Fichtenwälder werden diesbezüglich mit einem beschränkten Erhaltungszustand bewertet, was dem niedrigsten relativen Anteil in dieser Kategorie entspricht.
  • 84 % der Tannenwälder werden im Hinblick auf ihr potenziell-natürliches Vorkommen im Gebiet nur mit einem beschränkten Erhaltungszustand bedacht. Die Ursache für diese überwiegend schlechte Bewertung liegt im Fehlen der Tanne als Leitbaumart auf den meisten potenziellen Wuchsstandorten im Gebiet. Dieses aktuell festgestellte Defizit ist einerseits historisch bedingt infolge einer radikalen flächigen Bewirtschaftung dieser Wälder für den Bergbau und die Salinennutzung. Andererseits verhindert neben dem Mangel an Samenbäumen der massive Wildeinfluss ein Aufkommen der sensiblen Tannenverjüngung.
  • 11 % der Tannenwälder weisen noch einen hervorragenden Erhaltungszustand auf. Erfreulich tannenreich erwies sich das Kötschachtal. Vorkommen, die darüber hinaus unbedingt zu erhalten sind, liegen im Untersulzbachtal, Habachtal, Hollersbachtal und im Seidlwinkltal.
(c)NPHT F. Rieder

Zirbe

Naturnähe

Die Hemerobie als Maß für die anthropogene Beeinflussung eines Ökosystems gibt indirekt Auskunft über die Naturnähe. Sie stellt ein wesentliches Kriterium für den aktuellen Erhaltungszustand der Waldgesellschaften dar. Die Einstufung wurde gutachterlich und qualitativ nach folgenden Kriterien der Studie „Hemerobie Österreichischer Waldökosysteme“ auf den Erhebungspunkten angesprochen: aktuelle und potenzielle Baum-arten, Totholzanteil, Nutzungseinflüsse, Wildschäden und Störungszeiger in der Vegetation. Von den subalpinen Waldgesellschaften wurden 21 % als natürlich und 40 % als naturnah eingestuft. 12 % der Waldgesellschaften in der hochmontanen Stufe wurden aufgrund des Fehlens der Tanne sowie gehäufter Verjüngungsdefizite und Schälschäden als mäßig verändert bewertet. 5 % gelten als stark verändert.

Weidenutzung

Aktuell sind ca. 2.700 ha der 13.800 ha Wald- und Krummholzbestand im Nationalpark als Weidefläche ausgewiesen. Mit 79 % ist der relative Waldweideanteil im Hüttwinkltal am größten, gefolgt von 51 % im Wildgerlostal. Keine Waldweide hingegen findet im Kötschachtal statt, mit nur 2 % auch sehr wenig im Anlauftal. V.a. das Angebot an beweidbaren Standorten und die Qualität der Böden bedingen die unterschiedlichen relativen Anteile. Die Intensität des Weideeinflusses wurde über direkte (z.B. Trittschäden, Weidegangeln) und indirekte Merkmale (z.B. „Weidezeiger“ in der Bodenvegetation) auf den Stichprobenflächen erhoben und für die Ermittlung des Indikators „Störungszeiger“ herangezogen. In den subalpinen Fichtenwäldern ist der Weideeinfluss am größten.

Managementbedarf und Umsetzungsvorschläge

Basierend auf den Ergebnissen zum Erhaltungszustand und der Beurteilung der Naturnähe der aktuellen Baumartenmischung leitet diese aktuelle Studie spezifische Erhaltungsziele und damit verbundene Handlungsempfehlungen ab. Im Projektbericht werden alle Waldgruppen ökologisch und naturschutzfachlich beschrieben und konkrete Maßnahmen für eine naturnahe und funktionsgerechte Waldbewirtschaftung vorgeschlagen. Die Nationalpark-Verwaltung setzt dabei auf ein Schutzgebietsmanagement, das von Beginn an partnerschaftlich mit den Grundeigentümern umgesetzt wird. Dementsprechend wurden die Ergebnisse den betroffenen Interessensvertretungen präsentiert. Eine periodische Wiederholung der Walderhebung ist etwa alle 15 Jahre geplant.

 

Text: Mag. Kristina Bauch, NPHT Salzburg

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