Neusiedler See - Seewinkel

Sodaschnee
im April

Die Trockenheit hat Folgen für die Lacken.

(c)NPNSS

Zwischen Neusiedler Sees und Hanság liegen rund 40 Salzlacken – fast dreimal so viele waren es noch im 19. Jahrhundert. Die verbliebenen Lacken sind im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel dauerhaft geschützt, ihre internationale Bedeutung als Brut- und Rastplatz ist allerdings bedroht: Lange Hitzeperioden, kaum Niederschlag und steigende Grundwasserentnahme führen zu einem schleichenden „Lackensterben“.

Derzeit werden Rekordtiefstwerte für das Grundwasser gemessen, bereits Ende März hat der ausbleibende Regen das Salz in den trockenen Lacken kristallisieren lassen. Der blendend weiße „Sodaschnee“ macht die Konzentration des aus der letzten Zwischeneiszeit stammenden Salzes – meist Natriumbikarbonat (Na2CO3) – sonst erst im Sommer sichtbar. Auf solchen Böden wachsen Meeresküstenpflanzen wie Salzkresse und Salzaster. In Eurasien findet man vergleichbare Salzwasserbecken im Iran und in der Türkei, noch mehr in China. Viel Salz und Wassertemperaturen bis 38°C sind nicht gerade einladend: Hier (über-)leben Kleinkrebse und Rädertiere, von denen etwa Säbelschnäbler, Stelzenläufer oder Löffelenten profitieren. Seit den 1960er Jahren bilden die Seewinkellacken die Grundlage für den Naturtourismus – das Vogelbeobachten gilt zu Recht als „schönstes Hobby der Welt“.

Die Bedrohung der Lacken ist an der Oberfläche kaum sichtbar: Bleibt der Grundwasserspiegel vom salzführenden Horizont getrennt, gelangt kein Salz an die Oberfläche, eine Salzlacke „süßt aus“ – das Nahrungsangebot für die Vogelwelt schwindet. Klimawandel und intensive Bewässerung im Umfeld des Nationalparks zeigen gravierende Folgen. Gezielte Beweidung der Lackenränder sorgt dafür, dass auch in Zukunft sensible Lebensräume für salztolerante Pflanzen und bodenbrütende Vogelarten offen gehalten werden, Maßnahmen gegen den sinkenden Grundwasserspiegel müssen freilich im Umland gesetzt werden. Der Schutz des Grundwassers ist also dringend notwendig, um die Lacken als Teil der regionalen Identität zu erhalten – mit ihren exotischen Arten sind sie ein spannendes Fenster nach Asien, mitten in Europa.

 

 

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