Mit Leuchten durch
die Dunkelheit

Rangergeschichte

Bricht die Nacht im Auwald an, betreten wir eine andere Welt. Diese Welt wird von unseren Sinneseindrücken bestimmt und manchmal geht in der Dunkelheit auch ein Licht auf.
Während Käuze rufen, Rehe bellen und Wildschweine grunzen, lässt sich Nationalpark Ranger Christian Raffetseder (Donau-Auen) von Glühwürmchen den Weg leuchten. In seiner Geschichte erzählt er von den selten werdenden Leuchtkäfern, wann sie am besten zu beobachten sind und wie ihnen Klimawandel und Lichtverschmutzung zusetzen

 

(c)NPDonau-Auen

Nachts im Auwald.

Der Tag geht langsam zu Ende und die Sonne steht bereits tief am Himmel. Ich bin aufgeregt. Heute Abend darf ich den Gästen wieder die Geheimnisse des Auwaldes näherbringen. Nun könnte man sagen, dass jeder Lebensraum etwas Geheimnisvolles an sich hat, aber ich meine, dass der sommerliche Auwald in der Nacht eine nahezu magische Anziehungskraft ausübt. Und der Grund dafür sind bestimmt nicht die Gelsen, die zu dieser Jahreszeit mitunter in Schwärmen auftreten können.

Als meine Gruppe in Orth ankommt, erkläre ich, dass wir heute Abend auf leuchtende Hilfsmittel wie Taschenlampen, Handys oder ähnliches verzichten wollen. Die Erfahrung der Nacht mit den eigenen Sinnen enthüllt den wahren Zauber des Auwaldes.

Wir spazieren los, die letzten Sonnenstrahlen kommen gerade noch über den Horizont und ich merke, wie sich bereits jetzt eine angenehme Ruhe über den Auwald legt. Nach den ersten Metern bestaunen wir die Spiegelungen der Dämmerung auf der Wasseroberfläche und sehen die ersten abendlichen Jäger in Gestalt von Fledermäusen über den Nebenarm fliegen. Der Weg führt uns weiter entlang des Ufers, die Farbenpracht des Waldes wird langsam zu einer Palette aus Grautönen. Nachdem die „bürgerliche“ von der „nautischen“ Dämmerung abgelöst wurde, strahlen die ersten Sterne durch das dichte Blätterdach des Auwaldes. Erst auf einer der Wiesen, die für den Erhalt der Artenvielfalt bewirtschaftet werden, erschließt sich uns der Blick auf den gesamten Sternenhimmel. Während die Gäste noch mit erstaunten Gesichtern in den Himmel blicken, bemerke ich im Augenwinkel bereits ein vertrautes Leuchten.

Im Wasser spiegelt sich der Auwald, während am Horizont das letzte Orange der Sonne leuchtet
(c)Katja Hasenoehrl

Glühwürmchen

Sie sind da. Und glücklicherweise noch in ausreichender Zahl. Die Männchen der Kleinen Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula) – eine von insgesamt 3 Leuchtkäferarten in Österreich – fliegen durch die Luft. Sie sind auf der Suche nach Paarungspartnerinnen, den flugunfähigen Weibchen, die in Bodennähe am Wald- und Wegesrand sitzen.
Tanzende Irrlichter fliegen von links nach rechts und wieder zurück und begleiten mich durch die Dunkelheit. Dass wir hier noch Glühwürmchen bestaunen können, verdanken wir der Intaktheit des Auwaldes. Klimaerwärmung, Trockenheit und der übermäßige Einsatz künstlicher Beleuchtung setzen diesen Geschöpfen zu und so ist es für mich jedes Mal ein Wunder, diese leuchtenden Käfer zu beobachten. Die bis zu drei Jahre alten Larven ernähren sich von Schnecken, ehe sie als Adulte keine Nahrung mehr aufnehmen und nur etwa zwei Wochen am Leben bleiben. Leuchtkäfer sind am besten von Mai bis Juli zu beobachten, mit einem Hoch um den Johannistag am 23. Juni, was ihnen auch den Namen „Johanniskäfer“ eingebracht hat.

Mit grün-leuchtender Begleitung gelangen wir zum Treppelweg und damit an die Donau. Die Gäste sind zufrieden und durch die Erlebnisse berührt. Mit dem Wissen, dass Glühwürmchen und Sternenhimmel, aufgrund der zunehmenden Lichtverschmutzung, immer mehr zu Raritäten unserer Wahrnehmung werden, mache ich mich glücklich, aber nachdenklich auf den Heimweg.

Ein Glühwürmchen wird in die Höhe gehalten und biegt sein leuchtendes Hinterteil
(c) Kern

 
 

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