Rangergeschichte

Als ich nach den
Sternen griff

Auf der Suche nach den letzten Reservaten mit ungetrübtem Blick auf unsere kosmische Heimat, wurde im Gesäuse der dunkelste Ort Österreichs gefunden: Johnsbach. Von dieser Entdeckung blieb auch unser Ranger Johannes Sulzbacher (Nationalpark Gesäuse) nicht unberührt. Seinen Weg zu den Sternen, erzählt er in diesem Blogbeitrag.

 

(c)NPG Fröschl

Wie alles begann

Der Naturraum Nacht, die Faszination des erstmaligen Anblicks der Andromeda-Galaxie durch ein Teleskop und obige Feststellung, ließen mich nicht mehr los. Nach dem OK durch die Nationalparkleitung und einer intensiven Vorbereitungszeit fand die Generalprobe anlässlich einer Familienfeier sowie ein Jahr später die offizielle Premiere meiner Veranstaltung „Sternschnuppn schaun – Luftschlösser baun … und a bissal traman“ statt. Mit Wissen vollgestopft fiebere ich dem Termin entgegen. Die Veranstaltung ist ausgebucht – toll! Spielt das Wetter mit?

 

Wenn Sterne zum erzählen beginnen

Und dann: Leinen los! Das Amphitheater in der Ferse des Labyrinths im ökologischen Fussabdruck beim Erlebniszentrum Weidendom in Johnsbach ist voller Menschen. Nun wird die Praxis zeigen, was die Theorie wert ist. Als in der nautischen Dämmerung die hellsten Sterne Arcturus und Wega am Junihimmel aufleuchten und sich nach und nach die dazugehörigen Sternbilder Rinderhirte und Leier aus der zunehmenden Dunkelheit heraus schälen, bin ich in meinem Element. Die Besucherinnen und Besucher haben es sich mittlerweile mit Iso-Matten, Schlafsäcken und Decken auf den Stufen liegend bequem eingerichtet und lauschen meinen und den Ausführungen meiner jungen Co-Referentin aus dem Publikum. Die junge, heiße, weil hellblaue Wega ist nun unser Ausgangspunkt, um die Hilfsfigur Sommerdreieck, mit den Sternen Deneb im Sternbild Schwan und Atair im Adler zu konstruieren. Bei den alten Griechen verkörperte das Sternbild Schwan Gottvater Zeus selbst und der Adler den Schönling Ganymed, der sein Mundschenk war. Die Leier hingegen wurde vom Götterboten Hermes erfunden, der sie an Apollo verschenkte, der sie wiederum dem Sänger Orpheus gab. Auch die Sage von Herkules breitet sich über uns aus und als sich eine weibliche Gestalt zu den Klängen einer Sitar und mit mystischem Gesang aus dem Schatten des Labyrinths löst und zum grande finale ein Bolide – eine übergroße Sternschnuppe – wie eine Leuchtrakete seine Spur über den Himmel zieht, ist der Höhepunkt erreicht.

 

(c)Matthias Ledwinka

Im Dunkeln zu zuhause

Meine Passion ist der Nachthimmel und meine Mission, die Sternbilder durch die griechische Mythologie zum Leben zu erwecken. Das ist möglich, wenn die natürliche Nacht als humanes Recht geschützt und Dunkelheit als Lebensraum für Fauna und Flora geschätzt wird. Dinosaurier beherrschten bis zu ihrem Aussterben vor 66 Millionen Jahren den Tag und die frühen Säugetiere zogen sich in den Schutz der Nacht zurück. Aktuell beherrscht der Mensch den Tag und zunehmend die Nacht durch Lichtverschmutzung. Durch Vermeidung von unnötigem Licht, kann jeder Mensch einen Beitrag leisten um – frei nach Dante Alighieri – die Dinge aus dem Paradies, die uns geblieben sind, zu erhalten, nämlich „Die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder“

 

Text: Johannes Sulzbacher aus dem Nationalpark Gesäuse

(c)Lennart Horst

 
 

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