Rangergeschichte

Kinderstube:
Thayatal

Als der Papa noch in Hardegg Grenzdienst leistete, der Diensthund noch die einzig wolfsähnliche Gestalt in unseren Wälder war und der Nationalpark, gleich wie Nationalpark Rangerin Vanessa Zugriegel (Thayatal), noch in den Windeln steckte. Die Geschichte einer Rangerin, die mit dem Nationalpark groß wurde.

Nationalpark Rangerin Vanessa Zugriegel
(c)NP Thayatal

Der Grenze so nah

Es wurde das Jahr 1996 geschrieben als ich in einer verschneiten Dezembernacht im Waldviertel das Licht der Welt erblickte. Meine Wurzeln habe ich im Wein- und Waldviertel, ähnlich wie das Gebiet auf dem später der Nationalpark Thayatal errichtet werden sollte. Als ich begann die Welt um mich herum unsicher zu machen, und Flüsse, Bäche und Seen zu meinen Lieblingsorten auserkoren hatte, begann mein Vater im Grenzort Hardegg als Zollbeamter zu arbeiten. Auch wenn ich als knapp 3-Jährige nichts von Grenzen oder der großen, weiten Welt verstanden hatte, so fand ich es auf Anhieb toll, dass hinter dem Grenzhäuschen die Thaya strömte. Das Rauschen und Plätschern des Wassers bereitete mir unglaubliche Freude und noch heute steigt bei Besuchen am Wasser dieselbe kindliche Freude in mir auf, die ich schon damals verspürt habe. So war ich schon von klein an von der malerischen Stadt Hardegg, das an der Grenze zwischen Wein- und Waldviertel und zu Tschechien liegt, hellauf begeistert. Dass dieser wunderschöne Ort schon im Jahr darauf als Nationalpark Thayatal unter Schutz gestellt wurde, bestätigt die Einzigartigkeit dieses besonderen Ortes, die es zu erhalten gilt.

Nicht selten kam es vor, dass ich patschnass vom Spielen am Bach heimgekommen bin. Dass ich regelmäßig zu spät zum Abendessen heimkehrte, nahm meine Familie mit Humor, immerhin gab es ja im Wald keine Uhr und so richteten meine Freunde und ich die Zeit nach der Sonne. Wir kamen dann heim, wenn die Sonne unterging.

Ein Paar mit einem Baby und einem Hund.
(c)Zugriegel

Die jüngste Rangerin Österreichs

All diese Eindrücke sollten später dazu führen, dass ich mit gerade einmal 19 Jahren und noch vor der Matura, eine der jüngsten Rangerinnen Österreichs wurde. Nachdem ich den Nationalpark während meiner pubertären Phase etwas aus den Augen verloren hatte, fand ich während eines Sommerpraktikums an der Infostelle des Nationalparks Thayatal wieder einen Anschluss. Nach meinem Praktikum blieb ich, um an den Wochenenden bei der Besucherbetreuung auszuhelfen. Als im Jahr darauf eine Rangerausbildung begann, war ich zunächst hin- und hergerissen. Zwischen schulischen Verpflichtungen und dem Drang draußen in der Natur sein zu wollen ließ ich mich von Altrangern und Kollegen dazu motivieren, neben der Schulbank, nun auch die Lehrgänge durchzudrücken.

Eine abenteuerreiche Ausbildung in den beiden Nationalparks Thayatal und Donauauen sorgte nicht nur für ausgiebiges Wissen, sondern auch für gute Freundschaften. Während meiner zahlreichen Dienste konnte ich nicht nur außergewöhnliche Tiersichtungen und Begegnungen verzeichnen, auch der Homo sapiens kreuzte unzählige Male schon meine Wege. Solange dieser auf den markierten Wanderwegen bleibt, ist alles gut. Begegnet mir der Besucher allerdings mit einem Korb voller Schwammerl, braucht er schon eine sehr gute Ausrede da, bei uns im Nationalpark Thayatal nicht nur Wegegebot besteht, sondern es auch nicht erlaubt ist Pilze & Co mitzunehmen.

Doch neben Spurkreuzungen mit Wildschweinen, frühmorgendlichen Beobachtungen spielender Fischotter oder sonnenbadender Schlangen, gehören strahlende Kinderaugen, nachdem sie das erste Mal eine Fledermaus gesehen haben oder das erste Mal selbst Feuer gemacht haben, zu meinen persönlichen Highlights. 

Und so kam es, dass sich jede Fahrt ins Nationalparkzentrum anfühlt, wie ein Heimfahren und Ankommen. Kollegen, Freunde und vieles mehr verbinde ich mit meiner Tätigkeit als Nationalpark Rangerin, und so freue ich mich auf einen weiteren Lebensabschnitt im wohltuenden Schatten des waldreichsten Nationalparks Österreichs.

 

Text: Vanessa Zugriegel

Eine Frau sitzt auf einem Felsen und schaut auf Berge in der Ferne.
(c)Stefan Leitner

 
 

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