Rangergeschichte

Ein Tag im
Leben eines Rangers

Elena Turac (Neusiedler See – Seewinkel) erzählt von ihrem Alltag als Rangerin. Sie versucht auf jede Besucherin und jeden Besucher individuell einzugehen und dabei auf deren Charakter zu achten. Wie man sich in seiner Einschätzung täuschen kann berichtet sie im folgenden Beitrag.

(c)Elena Turac

Wie Menschen der Natur begegnen

Im Beruf als Rangerin genieße ich etwas besonders, nämlich das Vereinen meiner naturwissenschaftlichen mit meiner soziologischen Ader. Ich beobachte gerne Menschen, analysiere ihr Verhalten und versuche, ihnen je nach Charakter entgegen zu kommen. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich Reaktionen sind, wenn man bei 30 Grad, mit Schweißperlen auf der Stirn vor einer endlos weiten Steppe Vögel beobachtet, bei 5 Beaufort Wind auf einem alten, leicht schwankendem Grenzwachturm steht oder einfach den beeindruckendsten Sonnenuntergang erlebt, eingehüllt in eine nach Steppenkräutern riechende, wohlig-warme Luft. All das gehört zum Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel, von mir immer wieder liebevoll als „Nationalpark der Extreme bezeichnet“, dazu.

So blieb mir vor allem jener Tag in Erinnerung, an dem die Beobachtung meiner ExkursionsteilnehmerInnen mich nicht nur aufgrund der hohen Temperaturen zum Schwitzen brachte:

9:00 Uhr, Privatexkursion. Ein Ehepaar mittleren Alters, interessiert, zurückhaltend. Schnell noch die Ferngläser eingepackt, das Spektiv auf den Rücken - fertig. Keine Wolke, reine Sonne, 33 Grad, warmer, trockener Süd-Ostwind. Ein klassischer Hochsommertag in der Steppe, im Seewinkel, dem heißesten Ort Österreichs. Um nicht den einen oder anderen Hitzekollaps verantworten zu müssen, plane ich meine Exkursion nach Möglichkeiten des Unterstellens und hoffe sehr, dass wir dennoch einiges an Flora und Fauna erforschen können.

Wir starten los zum Beobachtungspunkt Nummer Eins, wo sich tags davor einige Lebewesen der Vogelwelt getummelt hatten. Am Weg dorthin erzähle ich über die Gegend, die Dame wirkt interessiert, der Herr eher ausdruckslos. Ich nehme es recht gleichmütig zur Kenntnis, obwohl mir das Führen von Monologen alles andere als angenehm ist. So hoffe ich insgeheim, dass die faszinierende Vogelwelt des Seewinkels die Amplitude der Resonanz etwas steigern wird.

(c)Elena Turac

 

Ein unerwartetes Ende

Hoffnungsvoll öffne ich die Gucklöcher der Beobachtungshütte, doch: gähnende Leere. Zugegebenermaßen, der Begriff Leere ist nicht ganz gerechtfertigt. Wir blicken auf einen beeindruckenden Schilfgürtel mit weiten Schlammflächen und in der Sonne glitzernden Wasserlacken. Ein schöner Anblick eigentlich. Doch ist es meiner Meinung nach verständlich, dass BesucherInnen meist Tiere entdecken wollen, und Vögel waren hier an diesem Morgen keine unterwegs. Leichte Nervosität kriecht in mir hoch, die ich mit steigerndem Informationsfluss zu übertünchen versuche. Ich beobachte skeptisch meine zwei Gäste und hoffe, dass ich dennoch etwas Begeisterung aus ihren Gesichtern ablesen kann. Doch das gleiche Bild wie vorhin: sie recht interessiert, er Pokerface.

Station Nummer 2, auf ins Schilf. Vielleicht haben sich die geflügelten Kollegen dort vor dem Starkwind zurückgezogen. Aber auch hier erwartet uns ein ähnliches Bild wie vorhin. Ich blicke auf meine Gäste, sie beobachten geduldig die Schilfhalme. Um sie nicht in meinem immer noch wachsendem Redefluss zu ertränken, biete ich diesen als informatives Hintergrundrauschen an und schlussendlich bin ich dann einfach mal still. Es berührt mich, wie die beiden hartnäckig durch ihre Ferngläser starren, um doch noch etwas zu entdecken. Und siehe da, ein Stelzenläufer kommt angeflogen und zaubert zumindest der Dame ein Lächeln auf die Lippen. Vielleicht zuckt auch der Mundwinkel des Herrn, ich bin mir nicht sicher.

Zwei Stunden sind vorbei und ich zweifle, ob es mir gelungen ist, meinen TeilnehmerInnen die Schönheit und Vielfalt des Seewinkels zu vermitteln. Begeisterung manifestiert sich bei mir vor allem durch Mimik und Worte. Ich verabschiede die kleine Runde und bedauere etwas die nicht so ergiebige Anzahl an Vogelbeobachtungen. Doch plötzlich: Worte des Lobs und der Begeisterung. Es war sehr spannend und informativ. Sie kommen wieder.  Da blickt mich auch der Herr scheu an und zum ersten Mal höre ich seine Stimme: „Danke, es war wirklich sehr interessant“. Mit einer beträchtlichen Summe Trinkgeld in der Hand bleibe ich etwas überrascht, doch sehr erfüllt zurück.

NSS(c)Archiv NP Klaus Schneider

 
 

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