Rangergeschichte

Der UR-Natur
auf der Spur

Nationalpark Rangerin Elisabeth Humer (Kalkalpen) erzählt von einer 4-tägigen Pilgertour durch die Nationalparks Kalkalpen und Gesäuse. Zu Fuß pilgern ist ihrer Meinung nach eines der heilsamsten Lebenselixiere, das Geist und Körper in Balance bringt, Leere mit Sinn füllt und viele Alltagsbeschwerden zu heilen vermag. 

Eine Rangerin in grüner Uniform.
(c)NP Kalkalpen

Im Juni 2019 habe ich erstmals gemeinsam mit meinem Ranger Kollegen Christof Buchegger eine 4-tägige Pilgertour entlang des Klosterweges durch die Nationalparks Kalkalpen und Gesäuse geführt – durch die zurückkehrende Waldwildnis.

Mit einer altersgemischten Gruppe führte uns der Weg von Großraming nach Admont. Wir nahmen uns Zeit für die Natur und auch für uns selbst und bewältigten dabei insgesamt 4.500 Höhenmeter auf 70 km. Durch längeres Gehen kam auch die Seele in Bewegung. Texte und Impulse aus der Natur begleiteten uns täglich! Retour ging es mit der Bahn durch das atemberaubende Gesäuse.

1. Tag: AUFBRUCH

Mit prallgefüllten Rucksäcken machten wir uns freudig auf den Weg. Es war sehr heiß. Die Natur unterstützte jeden von uns mit einem besonderen Fundus beim Kennenlernen.

Nach der Mittagspause im Brunnbachstadl mussten wir auf Grund eines aufziehenden Gewitters unsere erste Entscheidung treffen: Längerer oder kürzerer Weg zur Anlaufalm- unserem 1. Etappenziel? Müde, aber froh dem Gewitter entkommen zu sein, genossen wir unseren ersten Abend bei einer Brettljause und einem frischen Krapfen. Wir schafften heute 34 km und 1.200 Höhenmeter.

Alm mit Rindern
(c)Sieghartsleitner

2. Tag: GEHEN

Nach einem erholsamen Schlaf, geweckt vom Glockengeläut der Kühe und einem Almfrühstück, brachen wir wieder auf.

Das Beobachten in der Natur war keine Nebensache, sondern erforderte Ruhe und Beobachtungsgeschick. Schuhe ausziehen und durch den Bach waten, auf einem Baumstamm sitzen und den Vögeln lauschen, an Wildkräutern riechen und diese bestimmen. So begleitete uns der „Sunnawend-Hansl“, auch Waldgeißbart genannt, an den ersten Tagen! Jede Entdeckung war für uns eine Bereicherung.

Anders als Pflanzen, die an einen bestimmten Standort gebunden sind, sind wir Menschen ständig auf dem Weg. Es heißt offen sein, was auf uns zukommt und was sich innerlich ereignet. Wir teilten unsere Tages- und Brotzeiten – sozusagen das Leben.

Natürlich kam auch der Spaß nicht zu kurz: So konnten wir oft zu Moni sagen: “Pass auf, bis du heirats`t, wird es nimma guat!“ Die Hochzeit stand nämlich in 2 Wochen bevor…

Auch die Natur ist im ständigen Veränderungs- und Umgestaltungsprozess. Schweigend konnten wir das besonders durch den im Nationalpark Kalkalpen von der UNESCO ausgezeichneten „WeltNATURerbe Buchenwald“ auf uns wirken lassen. Den Wald ganz neu entdecken: als Kraft- und Rückzugsort, der uns Energie schenkt, alle Sinne stimuliert und uns zu uns selbst führt. Die Rastpausen nutzte Christof auch für sein Talent. In kürzester Zeit hielt er die Umgebung mit ein paar Strichen fest.

Erstmals erwartete uns eine warme Dusche auf der Zickerreith am Hengstpass. Der Abend klang gemütlich bei einer g´schmackigen Mahlzeit und bei freundlichen Hüttenleut´ aus.

Heute schafften wir 20 km und 1.300 Höhenmeter.

Menschen sitzen am Waldrand auf einer Wiese.
(c)Elisabeth Humer
Menschen wandern auf einen Berg hinauf.
(c)Elisabeth Humer

3. Tag: UNTERWEGS SEIN

Über alte Steige und entlang glasklarer Bäche führte uns der Weg auf die Ennstaler Almen in die Steiermark. Wir alle spürten die Weite und Ruhe der Natur mit ihren Besonderheiten. Heute haben sich auch Blasen an den Füßen von Gabi bemerkbar gemacht. Mit Beifuß-Einlagen wurde das Problem wieder gelöst. Im Weitergehen lässt man viel hinter sich, man kommt plötzlich drauf, was wirklich wichtig ist.

Wir haben auch alle Jahreszeiten durchlebt: Von Hitze, Regen und aufsteigendem Nebel bis hin zu den Schneefeldern auf 1.700 Metern Seehöhe Richtung Admonter Haus. So wie es im Leben ist, folgt nach jedem Regen wieder Sonnenschein. Ein trockenes Gewand und eine heiße Kaßpressknödelsuppe auf dem höchsten Punkt unserer Pilgerreise gab dem ausgelaugten Körper wieder Kraft.

Heute war der anstrengendste Tag mit 14 km und 1.700 Höhenmeter.

Menschen gehen auf einem Weg
(c)Elisabeth Humer

4. Tag: ANKOMMEN

Der 4- stündige Abstieg von der Hütte nach Admont führte uns in die Zivilisation zurück. Bewusst nach Heilpflanzen Ausschau halten und sie sammeln, war eine Aufgabe. Eine Tinktur, die aus den gefundenen Pflanzen hergestellt wurde, soll uns nachhaltig an die gemeinsame Pilgerzeit erinnern.

In der Stiftskirche von Admont erfolgte der Abschluss unserer spirituellen Pilgerreise mit einem kurzen Rückblick und unseren Erfahrungen daraus. Die irdischen Bedürfnisse wurden im Gasthaus Kamper gestillt.

Zu Fuß pilgern ist eines der heilsamsten Lebenselixiere, das Geist und Körper in Balance bringt, Leere mit Sinn füllt und viele Alltagsbeschwerden zu heilen vermag.

 

Gehen ist die beste Medizin“ meint Hippokrates (450 vor Chr.) und so gibt es nächstes Jahr wieder ein Pilgern vom Nationalpark Kalkalpen ins Gesäuse.

 

Text: Elisabeth Humer

Zeichnung eines Hauses
(c)Elisabeth Humer

 
 

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