Der Kühgraben im Gesäuse
und was der Mensch damit zu tun hat

Gesäuse

Nora Landl, Preisträgerin des Nationalparks Austria Forschungspreis, untersucht im Rahmen ihrer Masterarbeit für Angewandte Physische Geographie und Gebirgsforschung an der Uni Graz, den menschlichen Einfluss auf den Kühgraben im Gesäuse.

Ein steiler Stein Graben vor der dramatischen Gesäuse Kulisse
(c) Nora Landl
Zwei Personen stehen auf einem steilen Hang, die Frau hält eine Drohne hoch
(c) Nora Landl

Wildes Wasser - Steiler Fels
Das Gesäuse ist bekannt für seine schroffen Felsformationen, die auf den ersten Blick abweisend für Mensch und Tier wirken können. Das Leben am Fels ist für Lebewesen auch eine besondere Herausforderung. Wasser und Nährstoffe sind äußerst knapp, hohe Temperaturschwankungen, stürmischer Wind und extreme Winterkälte sind ständige Begleiter. Auf den ersten Blick scheinen Fels und Schutt leblos und lebensfeindlich. Wer aber genau hinschaut, wird insbesondere dort einige der Besonderheiten des Nationalpark Gesäuse entdecken - in zahlreichen Rinnen und Gräben gelangt der verwitterte Fels bis in die tiefen Lagen und bildet einen besonderen Lebensraum, in dem sich „angeschwemmte“ hochalpine Pflanzenarten mit den wärmeliebenderen Arten aus dem Talboden der Enns vermischen. Sie alle sind optimal an diese Umwelt angepasst und brauchen den Lebensraum Fels zum Überleben.

Die Forschungsarbeit von Nora Landl will zu einem besseren Verständnis für die geomorphologischen Prozesse in einem Schuttgraben und deren Beeinflussung durch den Menschen beitragen – was passiert in so einem Schuttgraben? Wie ist die Dynamik? Und wie war und ist der Einfluss des Menschen darauf?

Für ihre Untersuchungen hat sich Landl jenen Nationalpark ausgesucht, der schon in seinem Slogan mit den schroffen Felsen wirbt – den Nationalpark Gesäuse.

Die Karte zeigt den Nationalpark Gesäuse, der Kühgraben ist als schmales gelbes Band im linken oberen Viertel der Fläche eingezeichnet
(c) Nora Landl

Fels in Bewegung
Der Kühgraben im nördlichen Teil der Gesäuseberge weist durch seine steile Lage und periodische Wasserführung eine besonders hohe Dynamik auf. Fallweise gefährden Lawinen, Muren und Steinschlag Menschen und Infrastruktur. Da sich der Graben in der Bewahrungszone des Nationalparks befindet, sind Eingriffe der Wildbach- und Lawinenverbauung auf ein Minimum beschränkt.

Wie untersucht man nun so einen besonders steilen und besonders dynamischen Graben?
Ein besonderes Augenmerk legte Landl im Zuge ihrer Arbeit auf die Frage, ob UAV-Daten (Unmanned Aerial Vehicle – umgangssprachlich Drohne genannt) für die Erstellung von Höhenmodellen geeignet sind. Zu diesem Zweck erhielt sie die Genehmigung für die Befliegung des Nationalparkgebiets um mit Hilfe der entstandenen hochauflösenden Luftbilder Höhenmodelle der Landschaft zu erstellen.

Parallel dazu wertete sie historische Luftbilder des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen aus um Höhenmodelle für diese Jahrgänge zu erstellen. Die Ergebnisse wurden miteinander verglichen um eine Analyse der Höhenänderung des Grabenbereichs zu ermöglichen. Jetzt kann sich die Geländehöhe natürlich durch verschiedenste Einflüsse verändern: Vergetation wächst, Schutt und Erde rutschen, der Mensch baut Infrastruktur. Um diese verschiedenen Einflüsse unterscheiden zu können wurden die Sanierungspläne des Gebiets hinzugezogen und eine Kartierung des Gebiets erstellt um den Einfluss menschlicher Eingriffe herauszufiltern.

Mensch und Fels
Landls Erhebungen haben ergeben, dass die Stabilisierungsmaßnahmen deutliche Auswirkungen auf die Prozesse des Kühgrabens hatten und auch heute noch haben – Hangbereiche, welche durch verschiedene Maßnahmen stabilisiert wurden, weisen weniger Änderungen im Vergleich zu den Bereichen ohne gesetzte Maßnahmen auf. Ihre Arbeit hat gezeigt, dass sich UAV-Daten in Kombination mit der Analyse von historischen Luftbildern sehr gut für die Untersuchung von Höhenänderungen eignen.

Darüber hinaus hält Landl in ihrer Arbeit fest, dass für ein weiteres Eindämmen der geomorphologischen Prozesse des Kühgrabens die gesetzten Maßnahmen zukünftig weiter instand gehalten, teilerneuert oder erweitert werden müssen. Weitere ingenieurbiologische Maßnahmen in noch unverbauten Hangbereichen könnten angedacht werden, da diese weiterhin durch das Abbrechen der Geländekanten und das Nachrutschen von Sediment in den Grabenbereich große Mengen an Lockersediment bereitstellen.

Die gesamte Masterarbeit Untersuchung der Auswirkungen menschlicher Aktivität auf die geomorphologischen Prozesse des Kühgrabens im Nationalpark Gesäuse unter Verwendung von UAV-Daten von Nora Landl findet sich auf parcs.at: http://www.parcs.at/npg/mmd_fullentry.php?docu_id=51200

Mit dem Nationalparks Austria Forschungspreis sollen junge Wissenschaftler:innen dazu animiert werden, sich im Rahmen ihrer Forschung mit den österreichischen Nationalparks auseinanderzusetzen. Prämiert werden universitäre Abschlussarbeiten, die in engem Austausch mit den Nationalparkverwaltungen erarbeitet worden sind. Abgeschlossene Hochschularbeiten können hier ganzjährig eingereicht werden, um sich für einen der Forschungspreise zu bewerben. Nach dem Stichtag (15. Oktober des Jahres) werden die Bewerbungen von der Bewertungskommission gesichtet und die besten Arbeiten prämiert.

Eine Drohne steht vor dem Hintergund der Gesäuse Berge
(c) Nora Landl
Die Karte einer Fläche, die den unterschiedlichen Verbauungsgrad des Kügrabens darstellt
(c) Nora Landl
Bericht: Nora Landl
Text: Nationalparks Austria

 
 

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