Nationalparks Austria - Teil 2

Der Erste
seiner Art

Die Entstehung der österreichischen Nationalparks ist von einer großen Gemeinsamkeit getragen: In allen sechs Fällen hat man mit der Gründung der Nationalparks auf drohende Eingriffe in Naturlandschaften reagiert. Es ist vielen einzelnen Bürgerbewegungen zu verdanken, dass der Schutz dieser Regionen gelungen ist - mit durchaus originellen Maßnahmen. Die Nationalparks sind das Ergebnis dieser geglückten Aktionen. Wir unternehmen den Versuch einer chronologischen Erzählung. Von der Erfindung des Naturschutzes, seiner Veränderung im Wandel der Zeit und der Gründung unserer Nationalparks. Teil 2 der siebenteiligen Blog-Serie zur Naturschutzgeschichte Österreichs: Die Entstehung des Nationalparks Hohe Tauern.

Eine Person wandert neben einem Bach auf den Bergen.
(c)Stefan Leitner

Nationalpark Hohe Tauern

Die Anfänge der österreichischen Nationalparkgeschichte reichen zurück bis in die Zwischenkriegszeit, der wirkliche Urknall ergeht aber erst 1971: In Heiligenblut in Kärnten vereinbaren die Bundesländer Kärnten, Salzburg und Tirol die Errichtung eines ländübergreifenden Nationalparks. Auf politischer Ebene ist der Nationalpark Hohe Tauern damit beschlossene Sache. Mit der unberührten Natur eines solchen Nationalparks verspricht man sich nicht zuletzt wirtschaftliche Vorteile in Sachen Tourismus. Ungeachtet der Motivlage begründet die Vereinbarung von Heiligenblut einen Meilenstein in der öserreichischen Nationalparkgeschichte. Das wird übrigens heuer gefeiert: Die Dreiländervereinbarung von Heiligenblut begeht 2021 ihr 50-jähriges Jubiläum.

Die Weichen für diese historische Vereinbarung sind bereits vor dem Ersten Weltkrieg gestellt worden. 1913 erwirken Adolf von Guttenberg, ehemals Vorsitzender des Alpenvereins, und Politiker August Prinzinger den Ankauf von Flächen im Amer- und Stubachtal (Pinzgau) durch den Verein Naturschutzpark. Ein Schutzgebiet soll entstehen. Gleich 1918 wird diesem ersten Grundstein ein zweiter hinzugesetzt. Albert Wirth, ein aus Villach stammender Holzindustrieller, reagiert auf die Gerüchte eines geplanten Verkaufs des Großglockner-Gebiets, spendet den Kaufpreis und veranlasst damit die Schenkung des Grundbesitzes an den Alpenverein. Die Auflage: Das Gebiet soll dem Naturschutz gewidmet sein.

Ein Mann sitzt vor einem Mikrofon.
(c)NPHT Gruber

Bürgerinitiative ins Kals - Sprecher Klaus Unterweger

Von Gönnern und Kraftwerken 

Wirth begründet mit dieser gemeinnützigen Aktion die Tradition des sogenannten Mäzenatentums im österreichischen Naturschutz. Heute würde man das modern als „Großspende“ bezeichnen. Nur wenige Jahre später bildet sich der Verein Naturschutzpark zum Naturschutzbund (ÖNB) um. Er wird während des Zweiten Weltkriegs einem Flächentausch zustimmen müssen: Als Entschädigung für die eben erst erworbenen Flächen im Amer- und Stubachtal erhält er die Sulzbachtäler. Sie sind heute ein Wildnisgebiet, nach dem Wildnisgebiet Dürrenstein in Niederösterreich immerhin erst das zweite in Österreich.

Ein erster Entwurf für „Naturschutzgebiet Nationalpark Hohe Tauern“ kursiert bereits 1939, der Zweite Weltkrieg vereitelt aber erst einmal alle dahingehenden Bemühungen. Erst nach dem Krieg kommt wieder Bewegung in die Sache. Allerdings auch in Sachen Wiederaufbau und Wirtschaftsboom. Man stemmt sich gegen die Erweiterung der Großglockner Hochalpenstraße und gegen die Ableitung der Krimmler Ache durch einen Stollen zum Kraftwerk Gerlos im Zillertal - erfolgreich. Im Tiroler Anteil der Hohen Tauern werden indes noch Pläne zur Wasserkraftnutzung geschmiedet. Der Dorfertal-Speicher bei Kals am Großglockner wäre beinahe Österreichs größtes Kraftwerk geworden, konnte aber ebenso verhindert werden wie die damit geplante Ableitung der Umbalfälle in Virgen.  

 

 

Drei Männer stehen vor Bergen.
(c)Tiroler Landesarchiv

Die Landeshauptleute Hans Sima (Kärnten), Hans Lechner (Salzburg) und Eduard Wallnöfer (Tirol) unterzeichneten 1971 den "Heiligenbluter Vertrag".

Ein Staatsvertrag für den Nationalpark 

Einmal mehr zeigt sich im Naturschutz von damals auch ein nüchternes Kalkül im Geist der Wirtschaft. Ein Landschaftsgutachten stellt dem Dorfertal-Speicher nicht nur massive ökologische Auswirkungen in Aussicht, sondern auch eine „nachhaltige Zerstörung des naturnahen Tourismus“. Die Streitigkeiten verzögern die Errichtung des Osttiroler Anteils am Nationalpark Hohe Tauern. Sie erfolgt erst 1992, nach Kärnten (1981) und Salzburg (1984). Während Naturschutz in Österreich prinzipiell Ländersache ist, stellen Nationalparks eine Ausnahme dar: Für sie ist die Unterzeichnung eines Staatsvertrags vorgesehen, die sogenannte Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG (Bundesverfassungsgesetz) zwischen Bund und Ländern. Der erste dieser Art wird für einen österreichischen Nationalpark 1994 von Kärnten, Salzburg und Tirol für den Nationalpark Hohe Tauern unterzeichnet. Österreich hat seinen ersten - und größten - Nationalpark.

Die internationale Anerkennung durch die IUCN erfolgt 2001 für Kärnten und schließlich 2006 für Salzburg und Tirol. Gut zehn Jahre später steigt der Verein Naturschutzpark aus dem Nationalpark aus und überträgt seine Gebiete an das Land Salzburg. 2017 markiert einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte des Nationalparks Hohe Tauern. Die Sulzbachtäler in Salzburg werden zum Wildnisgebiet nach IUCN-Kriterien ernannt. Der Nationalpark Hohe Tauern ist ein erstes leuchtendes Beispiel für das erfolgreiche Aufbegehren zum Schutz der Natur. Die Gründungsgeschichte des Nationalparks Hohe Tauern lehrt, dass Naturschutz unter entsprechendem Einsatz auch gegen eine vermeintlich übermächtige Wirtschaft durchgesetzt werden kann. Eine Geschichte, die sich noch wiederholen wird.

 

Text: Christina Geyer

 

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 Mehr zum Thema Naturschutzgeschichte im dritten Teil: „Nationalpark Neusiedler See. Ein Steppensee mit Kultur.“ 

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Ein Mann steht vor einem Mikrofon.
(c)NPHT Gruber

Eröffnung Wasserschule

 
 

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