Rangergeschichte

Auf der Suche
nach Habichtskäuzen

Was zwinkert denn da so neugierig in die Kamera? Ist es ein junger Waldkauz oder gar ein heranwachsender Habichtskauz? Letzteres wäre ein toller Erfolg, wäre es doch der erste dokumentierte Habichtskauz-Nachwuchs in freier Wildbahn seit Bestehen des Nationalparks Gesäuse. Nationalpark Ranger Heimo Emmerstorfer (Gesäuse) erzählt von seinen Tätigkeiten beim Habichtskauz-Monitoring.

Mann
(c)Thomas Sattler

Dem Habichtskauz auf der Spur

Bis vor etwa 100 Jahren fand diese wunderschöne Waldeule noch ausreichend Lebensraum in Österreichs Wäldern, so auch im Gesäuse in der Steiermark. Doch – wie so viele Arten – wurde auch der Habichtskauz von Menschenhand ausgerottet, vertrieben, sein Lebensraum zerstört.

Zum Glück gibt es seit einigen Jahren umfangreiche Bemühungen, diesem wunderschönen Vogel wieder unter die Schwingen zu greifen. Eine maßgebliche Rolle spielen dabei die Österreichische Vogelwarte in Wien (samt Außenstelle in Seebarn) sowie das Wildnisgebiet Dürrenstein in Niederösterreich. Und ebendort gibt es bereits Nachweise von erfolgreichen Habichtskauz-Bruten in freier Wildbahn.

Auch im Gesäuse setzen wir darauf, dem Habichtskauz wieder eine Heimat zu bieten. Aufgrund der Nähe zum Wildnisgebiet Dürrenstein und bereits einzelner Sichtungen im Nationalpark eine berechtigte Hoffnung. Um dieses Anliegen zu fördern und weil der Habichtskauz am liebsten in ausreichend großen Baumhöhlen (die jedoch fast nur in sehr alten Baumbeständen vorkommen) brütet, wurden unterstützend auch dementsprechende Nistkästen an verschiedenen Orten im Nationalpark angebracht.
Doch werden diese Kästen auch zu neuen Habichtskauz-Eigenheimen?

Um solche und andere Fragen beantworten zu können, sind laufend wiederkehrende Beobachtungen und Datenerhebungen sowie eine entsprechende Protokollierung erforderlich => das sogenannte „Monitoring“.

Eine Eule sitzt auf einem Stock.
(c)Alexander Maringer

Ein Blick in die Bruthöhle

Anfang April mache ich mich - mit einer langen Teleskopstange und einer Kamera „bewaffnet“ - auf, um quer durch den Nationalpark alle von uns aufgehängten Nistkästen zu kontrollieren. Eine große Herausforderung ist dabei schon die Erreichbarkeit der einzelnen Kästen. Anfang April liegt im Gesäuse meist noch sehr viel Schnee und unsere Nistkästen sind eher selten direkt an gängigen Wanderwegen, dafür aber größtenteils in eher unzugänglichen, abgelegenen Ecken des Nationalparks angebracht. Doch je größer die Herausforderung, desto größer der Spaß :)

Und so stapfe ich mit Schneeschuhen an den Füßen durch die glitzernden Gesäusewälder. Endlich nähere ich mich dem ersten Nistkasten und meine innere Spannung steigt mit jedem Schritt. Gelingt uns heuer ein Erstnachweis? Mit der an der ausgefahrenen Teleskopstange montierten Kamera kann ich das Einflugloch des Kastens in mehreren Metern Höhe ganz gut erreichen. Ein kurzer Kameraschwenk in den Nistkasten hält alles fest. So werden die Vögel kaum gestört und alles kann bildlich dokumentiert werden.

Die Hauptbalz beginnt bei den Habichtskäuzen im Jänner, die Eiablage erfolgt frühestens Mitte Februar, meistens jedoch erst ab Mitte März (je nach Lebensraum und Höhenlage). Ich habe Glück – im Nistkasten sind 6 Eier zu sehen. Eine große Freude, auch wenn sich bei genauerer Betrachtung herausstellt, dass es sich in diesem Fall um ein Waldkauz-Gelege handelt. Der Waldkauz wurde im Unterschied zum Habichtskauz nie ausgerottet und nistet ebenfalls gerne in Baumhöhlen.

Eier eines Waldkauzes (Eule)
(c)Heimo Emmerstorfer

Ein gutes Kauzjahr

Ein Monat später, Anfang Mai – der Schnee ist jetzt bis auf kleine Flecken größtenteils verschwunden – starte ich zum zweiten Durchgang. Jetzt ist die Zeit der Jungvögel. War die Brut erfolgreich? Haben sich die Jungvögel gut entwickelt? Wieder habe ich ein wunderschönes Erfolgs- und Naturerlebnis. Ein Trupp Jungkäuze blinzelt neugierig in die Kamera, was für ein Anblick. Schnell ziehe ich mich wieder zurück, um nicht länger als unnötig zu stören.

Es war ein gutes Kauzjahr. Geschuldet dem vorangegangenen Buchen-Mastjahr und dem daraus resultierenden Mäusejahr. Wenn genug Beute da ist, gibt es auch dementsprechend viel Nachwuchs, die Natur regelt das von selbst.
Und auch wenn noch kein Habichtskauz in einen unserer Nistkästen eingezogen ist, die nächste Monitoring-Saison kommt bestimmt und mit ihr früher oder später auch der erste Habichtskauz-Nachwuchs im Gesäuse. :)

 

Text: Heimo Emmerstorfer

5 junge Eulen
(c)Heimo Emmerstorfer

 
 

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