Rangergeschichte

Abenteuer
unter Sternen

Rangerin Sophie Bernet (Thayatal) hat Freude daran, wenn Menschen ihre gewohnte Umgebung zurücklassen und sich auf ein Abenteuer in der Natur einlassen. Der Wald soll zum Nachdenken anregen und nachhaltig wirken.

(c)C. Milek

Es knackst, es raschelt im Gebüsch, Schritte – was ist DAS? Was knabbert an meiner Plane? Werden Mäuse über mein Gesicht klettern? Was ist mit den Spinnen…

Immer wieder freut es mich, wenn sich Menschen aus ihrer Komfortzone hinausbewegen und eine Nacht in der Natur verbringen wollen - im wilden Wald des Nationalparks Thayatal. Und immer wieder bin ich berührt, wenn sie nach einer solchen Waldnacht am nächsten Morgen sagen, wie gut es tut diesen Waldgeräuschen zu lauschen (auch wenn es sich nicht so bequem liegt), wie gut es tut ohne Handy zu sein, wie gut es tut diese zeitlose Zeit, diese Gelassenheit. Wie entspannt die Kinder sind.

Ein Abenteuer für die ganze Familie

Bei diesem „Familienabenteuer unter Sternen“, Mitte Juni, bekommen wir, 9 Erwachsene und 7 Kinder zwischen 4 und 10 Jahren, von der Natur wirklich vieles geboten. Bei der Begrüßungsrunde erbarmungslose Sonne, sodass wir in den Schatten der Outdoorküche flüchten müssen. Bald brechen wir mit Sack und Pack auf in den kühlen Wald, um dort Planen zu spannen und die Schlafplätze einzurichten. Wir lauschen in den Wald, entdecken Käferlarven in morschen Bäumen und pflücken Walderdbeeren. Wieder zurück bei der Feuerstelle errichten wir das Lagerfeuer zum Kochen - es gibt „Wilderness-Chapati“ mit Kräutersauce aus von uns selbstgepflückten Kräutern, Käse und Gemüse.

Die Kinder finden eine tote Maus und gestalten liebevoll ein Mäusegrab, das sie den ganzen Nachmittag über besuchen gehen. Bei der Wildkatzenfütterung beginnt es zu stürmen, dicke schwarze Wolken kommen auf uns zu – müssen wir wirklich indoor schlafen? Das wäre doch zu schade! Es beginnt leicht zu regnen. Wir warten ab, gehen noch nicht in den Wald. Die Kinder lassen sich nicht stören und turnen auf dem Abenteuerspielplatz herum. Und dann, die Sonne bricht noch einmal durch und schenkt uns den wunderschönsten ganzen Regenbogen. Alle, Erwachse wie Kinder, sind verzaubert. Augenblicke der Ruhe, des Staunens. Zwei Kinder gehen gleich los, um den Schatz am Anfang des Bogens zu finden.

Die Regenwolken ziehen weiter, beglückt brechen wir auf zu unseren Schlafplätzen, auch dort bekommen wir noch ein kleines Naturschauspiel geschenkt: der orangerotlila Himmel leuchtet durch die Bäume – wer kann diesem Zauber widerstehen? Wir erwarten die Dunkelheit zuerst still lauschend und dann erzählen wir uns eine gemeinsame Gutenachtgeschichte über Mäuse und einen Uhu und wie die Mäuse gerettet werden.

Wenn ich nach einer Führung durch den Wald zurück gehe, erfreut, wie wohl sich alle gefühlt haben, mit der Hoffnung, dass etwas davon nachhaltig wirken wird, dann hüpft mein Herz.

(c)M. Graf

Die andere Seite meiner Tätigkeiten

Zugegeben was jetzt kommt lässt mein Herz nicht soo hüpfen, ich gehe drei Mal den Weg hin und her, weil so viele Sachen zum Wegräumen sind. 10 große Planen zum Trocknen aufhängen, weil es gerade, als wir alles abgebaut hatten, dann doch noch zu regnen begonnen hat – ganz leicht, aber stark genug, um die Planen feucht genug zu machen, so dass man sie eben nicht gleich in der Box verstauen kann. Und dann muss ich warten, bis sie trocknen, um diese 10 großen Planen zusammen zu legen, so klein, dass sie in die besagten Boxen passen, nein, all das lässt mein Herz gar nicht hüpfen – müde und schwitzend, weil die Sonne gerade so herunter brennt. Wenn ich aber dann, nach getaner Arbeit auf der Terrasse des Kaffeehauses vom Nationalparkhaus sitze, das Protokoll geschrieben habe und bei einem Tee die Führung reflektiere, dann lacht mein Herz wieder.

 

Text: Sophie Bernet

 

„Bei der hier beschriebenen Veranstaltung handelt es sich um eine spezielle Veranstaltung des Nationalpark Thayatal. Das Übernachten und Campieren im Nationalparkgebiet ist aus Liebe zur Natur nicht gestattet und darf nur in Ausnahmefällen in Begleitung einer Rangerin oder Rangers durchgeführt werden. So können wir sicherstellen, dass auch Tiere- und Pflanze ungestört bleiben."

(c) M. Graf

 
 

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