Kalkalpen

Rotwildtelemetrie
Forschung im Nationalpark

Im Nationalpark Kalkalpen wurden 14 weibliche und 6 männliche Stück Rotwild für Forschungszwecke besendert. Die Auswertung der Ergebnisse, welche sich unter anderem mit der Raumnutzung der Tiere während der Jagdzeit beschäftigt, kann im folgenden Beitrag gelesen werden.

(c)NPKA

Abbildung 1: GPS Halsband an Hirsch „Sepperl“

Ausgangssituation

Mit der Gründung des 20.860 ha großen Nationalparks Kalkalpen im Jahr 1997 geht das Ziel des Prozessschutzes einher - natürliche Prozesse sollen vom Menschen möglichst unbeeinflusst ablaufen können.

Auf die menschliche Regulierung der drei Schalenwildarten Rot-, Reh- und Gamswild kann derzeit aber aus ökologischen Gründen, z. B. dem Fehlen natürlicher Feinde der großen Pflanzenfresser, und ökonomischen Gründen, z. B. dem Schutz angrenzender Wirtschaftswälder vor übermäßigem Wildverbiss, nicht vollständig verzichtet werden. Im Nationalpark Kalkalpen bedeutet das konkret eine Regulierungstätigkeit auf ca. 10.360 ha und absolute Jagdruhe in der Ruhezone des Nationalparks auf ca. 10.500 ha.

Für die Nationalparkverwaltung ist es wichtig Kenntnisse über das Wanderverhalten (Sommer- und Wintereinstände) des Rotwildes zu erhalten, um das erforderliche Wildtiermanagement auf wissenschaftlicher Basis optimieren und eine konstruktive Diskussion mit den benachbarten Grundeigentümern und Jagdausübungsberechtigten führen zu können.

Aus diesem Grund wurde 2011 das Rotwildtelemetrieprojekt von der Nationalpark Kalkalpen GesmbH und der Österreichischen Bundesforste AG, mit Hilfe von Bund und Europäischer Union, ins Leben gerufen.

Methode

Das Rotwild wurde an den Fütterungen narkotisiert und – nach einer tierärztlichen Untersuchung - mit GPS Halsbandsendern ausgestattet. Insgesamt konnten zwischen dem 31.01.2012 und dem 01.03.2015 14 weibliche und 6 männliche Stück Rotwild besendert werden. Der Überhang an weiblichen Tieren ergibt sich, weil die Schalenwildregulierung im Nationalpark, wie auch außerhalb des Nationalparks bei den Zuwachsträgern (Weibchen und junge Tiere) stattfindet.

Die GPS-Sender messen alle 3 ¼ Stunden die Position der Tiere, welche per SMS an einen PC übermittelt werden. Dort werden die Daten verarbeitet und in eine Datenbank eingespeist.

Ausgewertet wurden die Daten von Mitarbeitern des Nationalparkbetriebes der Österreichischen Bundesforste.

Ergebnisse und Interpretation

Insgesamt stehen ca. 80.500 Peilpunkte mit ausreichender Qualität für die Auswertung zur Verfügung.

Nutzung der Fütterungen

Ausgewertet wurde die relative Häufigkeit mit der ein Tier in einem 500 m Puffer um die Fütterung verweilt. So ist es möglich die Fütterungsnutzung zu quantifizieren. Die Nutzung der Fütterungen ist, obwohl für alle Tiere ähnliche Bedingungen herrschten, stark vom Individuum abhängig. Dies bedeutet, dass die Zählung bei den Winterfütterungen ungenau ist, da Rotwild auch abseits der Fütterungen überwintert.

Laufstreckenanalysen

Es wird die Strecke gemessen, die von einem Peilpunkt zum nächsten innerhalb von 3:15 zurückgelegt wurde. Die zurückgelegte Strecke wird dabei in m/h angegeben und ist ein Maß für die Bewegungsaktivität. Da sich die für Wildtiere so wichtigen Parameter wie Tageslänge, Dämmerung oder Sonnenuntergang im Laufe des Jahres ständig ändern, erfolgte auch eine Auswertung der Laufstrecken nach Sonnenstand.

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Abbildung 2: Laufaktivität nach Sonnenstandswinkel. Dabei wird zwischen drei Wildbehandlungszonen des Nationalparks unterschieden. Blau repräsentiert die Nacht, Orange die Dämmerung, sowie Weiß den Tag.

Die Tiere bewegen sich in der Dämmerung bzw. bei Sonnenuntergang am meisten. Zudem ist die Aktivität am Tag geringer als in der Nacht.

Auflassung einer Fütterung

Am Fütterungsstandort Wällerhütte wurden im Spätwinter 2013 ein 2-3jähriger Hirsch und ein weibliches Kalb besendert. Im Sommer wurde im Zuge der Fütterungsauflassung das Gebäude abgetragen, um dem Rotwild keine Wiedererkennung einer bekannten Fütterungsquelle zu geben.

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Abbildung 3: Peilpunkte der beiden besenderten Stücke vom Fütterungsstandort „Wällerhütte“

Die beiden Tiere repräsentieren mit Sicherheit nicht den gesamten ehemaligen Fütterungswildstand von ungefähr 60 Stück doch es zeigte sich, dass:

  • beide Tiere die beiden vergangenen Winter ohne Fütterung im Nationalpark überlebten
  • Rotwild in der Lage ist, weite Strecken bei mittlerer Schneelage auch durch unwegsames Gelände zu wandern
  • Rotwild nicht zu 100 % zu anderen Fütterungen abwandert, wenn eine Fütterung aufgelassen wird
  • abgesehen von den weiten Wanderungen, die Raumnutzung in den Wintereinständen gering ist
  • nicht nur sonnige Lagen, sondern auch nordseitige Steillagen als Wintereinstand genutzt werden.

 

Nutzung der Ruhezone während der Jagdzeit

Es wurde ausgewertet welchen Anteil die Ruhezone an der gesamten Raumnutzung der jeweiligen Tiere während der Jagdzeit hat. Die Meinung, dass sich Rotwild aus der Nationalparkregion der Bejagung entziehe indem es sich während der Jagdzeit in die Ruhezone des Nationalparks bewegt, um anschließend wieder an den Fütterungen im Umfeld zu überwintern, konnte nicht bestätigt werden.

 
 

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