Rangersein mal anders
- Klimarangerin
Ein:e Ranger:in im Klassenzimmer? Ein etwas ungewöhnlicher Anblick und auch für uns Ranger:innen ein etwas ungewohntes Gefühl. Ist doch die Komfortzone unsereins in erster Linie außerhalb von Mauern, am besten irgendwo im Nirgendwo, zwischen Pflanzen, summenden Insekten und zwitschernden Vögeln.
Doch mittlerweile haben wir uns auch im Klassenzimmer eine Komfortzone eingerichtet. Das klappt besonders gut, wenn das Thema ein so wichtiges ist, wie Klimawandel, Klimaschutz und „Was ist Klima überhaupt?“.
8:00 Uhr. Die Schulglocke läutet. Wir betreten (meist im Zweierteam) das Klassenzimmer. Die Neugierde der Kinder ist groß- wie wahrscheinlich häufig, wenn etwas Neues den gelegentlich monotonen Schulalltag unterbricht. Wichtig, unter anderem, ist für uns, diesen aufzubrechen - das heißt: Tische auf die Seite, Sesselkreis und dann eine gute Mischung aus Zuhören und Eigeninitiative. Ich kann mich gut erinnern, als ich das erste Mal als Kimarangerin in einer Klasse stand: ein Gefühl gemischt aus positiver Anspannung (wie werden die Kinder sein, werden sie Freude an dem Programm haben?) und alten, weniger positiven Schulerinnerungen, sowie der daraus resultierende Drang, es für diese Kinder hier besser zu machen.
Wir starten mit Brainstorming zum Thema „Wetter & Klima“. Dabei können die Kinder alles, was ihnen dazu einfällt auf einem Whiteboard in der Mitte des Sesselkreises notieren oder zeichnen. Neben dem häufig genannten Begriff „Klimakleber“, werden vermehrt auch Wetterphänomene wie „Tsunami“, „Blitz“, „Sandsturm“,…, aber auch andere umweltbelastende Faktoren wie „Zigaretten“, „kein Plastik“, „Meeresverschmutzung“, genannt. Es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, was in den Köpfen der Kinder vorgeht, wie sie Themen verknüpfen, die aus der reizintensiven medialen Außenwelt auf sie einprallen, wie sie Meinungen nahestehender Bezugspersonen reproduzieren und sich aus alledem ihr eigenes Bild formen.
Wir machen weiter und werden von Wetterforscher:innen zu Klimaforscher:innen, spielen interaktive Spiele, bauen den Treibhauseffekt nach und lernen, warum er so wichtig für das Leben auf der Erde ist. Ich bin erstaunt, wie viel Wissen Schüler:innen im Volkschulalter bereits besitzen. In diesem Alter waren für mich Begriffe wie „CO2“ und „Treibhausgas“ absolute Fremdworte. Auch hier wird mir wieder bewusst, wie viel die Kinder heutzutage von den sie umgebenden Themen aufschnappen. Nachdem wir einige praktische Versuche durchgeführt, Luftballone mit CO2 aufgeblasen und Kerzen mit CO2 gelöscht haben, wurde dieser chemischen Verbindung mehr Leben eingehaucht, sodass sie nun nicht mehr nur aus seltsamen Buchstaben und Zahlen besteht.
Wir beschäftigen uns mit den Gründen für den Klimawandel, mit dessen Folgen und vor allem, was wir als Einzelpersonen dagegen tun können. Schlussendlich schlüpfen wir auch noch in die Rolle des/der Bürgermeister:in und gestalten unsere eigene klimafreundliche Stadt. Ich freue mich, wenn die Kreativität der Kinder zuschlägt und sie Städte planen, die eine Zukunft haben könnten. Das gibt Hoffnung, doch auch etwas Wehmut und Unsicherheit. Ob das tatsächlich einmal so möglich sein wird?
Es ist 12 Uhr. Die Konzentration der Kinder lässt nach, der Hunger überwiegt. Auch unsere Ohren sind langsam vom (selbstverständlichen) Klassenlärm etwas strapaziert. Das Gefühl danach ist gemischt und variiert von Klasse zu Klasse. Haben die Kinder etwas mitgenommen? Wir hoffen es sehr, holen uns ein wenig Bienensummen und Vogelgezwitscher und starten voll neuer Motivation ins nächste Klassenzimmer.
Text: Elena Turac, Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel
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