Wilde
Nationalparkbienen
In den letzten Jahrzehnten sind Wildbienen deutlich seltener geworden und viele Arten sind stark zurückgegangen. Um diese wichtigen Bestäuber zu schützen, ist es entscheidend, zu wissen, wie es aktuell um die rund 700 Wildbienenarten in Österreich steht und wie sich ihre Bestände entwickeln.
In Ergänzung zu bereits bestehenden Monitoring-Projekten liefert das Projekt "Wilde Nationalparkbienen" wichtige Daten durch die Einbeziehung aller sechs österreichischen Nationalparks.
Methodische Vorgehensweise
Um die Ergebnisse gut mit früheren Untersuchungen in Kulturlandschaften vergleichen zu können, wurde folgende Methode übernommen: Auf Testflächen von 390.625 m² wurden die Biotoptypen erfasst und die Wildbienen über zehn zufällig ausgewählte 80‑m‑Transekten beobachtet. In allen österreichischen Nationalparks wurden so insgesamt 24 Flächen untersucht. Die Auswahl der Flächen erfolgte je nach Größe und Gelände über verschiedene Höhenstufen hinweg, um die Vielfalt der Lebensräume bestmöglich abzubilden.
Beeindruckende Ergebnisse
Insgesamt konnten 301 Wildbienenarten nachgewiesen werden. Die höchsten Artenzahlen wurden in den wärmebegünstigten, östlich gelegenen Nationalparks Donau-Auen (145 Arten), Thayatal (130 Arten) und Neusiedler See - Seewinkel (120 Arten) festgestellt. In den alpinen Nationalparken wurden demgegenüber – in Übereinstimmung mit den dort vorherrschenden klimatischen und topographischen Bedingungen – geringere Artenzahlen dokumentiert (Kalkalpen: 85 Arten; Gesäuse: 75 Arten; Hohe Tauern: 50 Arten).
Hervorzuheben ist insgesamt ein hoher Anteil seltener und hoch spezialisierter Wildbienenarten, die in der
Kulturlandschaft nur selten zu finden sind.
Besonders deutlich wird dies im Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel, dessen außergewöhnlich artenreiche Wildbienenfauna zahlreiche an Salzböden und trocken-heiße Klimabedingungen angepasste Arten umfasst. Dazu zählen beispielsweise Camptopoeum friesei (Salz-Buntbiene) und ihr Brutparasit Parammobatodes schmidti (Salzsteppen-Kurzhornbiene) sowie Megachile deceptoria (Salzsteppen- Blattschneiderbiene) und ihr Brutparasit Coelioxys polycentris (Salzsteppen-Kegelbiene).
Als Beispiel für strukturreiche Auen- und Flusslebensräume sind – neben zahlreichen weiteren bemerkenswerten Arten – die beiden Steinbienenarten Lithurgus cornutus und Lithurgus chrysurus hervorzuheben, die charakteristische Vertreter der Wildbienenfauna in den Nationalparks Donau-Auen und Thayatal darstellen. Für die Gehörnte Steinbiene (L. cornutus) markiert der Nachweis im Nationalpark Thayatal den nordwestlichsten bislang bekannten Fundort in Österreich.
Der Nationalpark Gesäuse ist durch die typische Artengemeinschaft der Hochgebirgslagen und Almflächen charakterisiert (z.B. Bombus monticola, B. gerstaeckeri, Andrena coitana und ihre Kuckucksbiene Nomada obtusifrons). Hervor stechen dabei xerotherme Faunenelemente der wärmebegünstigten, blütenreichen Lawinenrinnen wie die Bedornte Schneckenhausbiene Osmia spinulosa und ihre Kuckucksbiene Stelis odontopyga, die Schneckenhaus-Düsterbiene.
Im Nationalpark Kalkalpen gelangen im Rahmen des Projekts gleich zwei bemerkenswerte Neufunde für Oberösterreich: die Einhorn-Stängelbiene (Hoplitis robusta), ein Lebensraum-Spezialist totholzreicher, offener Wälder der montanen und subalpinen Höhenstufe, sowie die Pyrenäen-Blattschneiderbiene (Megachile pyrenaea), eine Art trocken-warmer Standorte höherer Lagen.
Unter den bemerkenswerten Arten des Nationalparks Hohe Tauern sind insbesondere mehrere Hummelarten hervorzuheben. Dazu zählen die beiden seltenen Kuckuckshummeln Bombus flavidus (Gelbliche Kuckuckshummel) und Bombus quadricolor (Vierfarbige Kuckuckshummel). Beide Arten besitzen ein boreo-montanes Verbreitungsgebiet und sind in der Roten Liste gefährdeter Bienen Österreichs als „stark gefährdet (EN)“ eingestuft.
Die genannten Wildbienenarten sind charakteristische Vertreter der spezifischen Lebensräume der jeweiligen Nationalparks und verdeutlichen deren hohen Schutzwert für die spezialisierte Wildbienenfauna.
Ihr Vorkommen unterstreicht den hohen naturschutzfachlichen Wert dieser Gebiete als Rückzugsräume und Refugien für spezialisierte und gefährdete Wildbienenarten.
Alle Informationen zum Projekt und Details zu den Ergebnissen finden sich im Endbericht.
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