Pressereise
Arten- und Lebensraumschutz
Wie verändert sich eine Alm, wenn der Mensch sie sich selbst überlässt? Welche Folgen hat der Klimawandel für alpine Lebensräume? Und wie hilft Forschung dabei, die Natur von morgen zu schützen?
Antworten auf diese Fragen erhielten Journalist:innen im Rahmen der Pressereise von Nationalparks Austria vom 16. bis 18. Juni 2026 im Nationalpark Hohe Tauern.
Die Reise führte in den ältesten und größten Nationalpark Österreichs – dorthin, wo Forschung nicht im Labor, sondern mitten in der Natur stattfindet. Gemeinsam mit Expert:innen des Nationalparks wurden aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt, wichtige Lebensräume besucht und zentrale Herausforderungen des Arten- und Lebensraumschutzes diskutiert.
Forschung als Grundlage für wirksamen Naturschutz
Nationalparks sind weit mehr als beeindruckende Naturlandschaften. Als international anerkannte Schutzgebiete bewahren sie unberührte Lebensräume und schaffen gleichzeitig ideale Voraussetzungen, um natürliche Prozesse langfristig zu beobachten. Gerade dort, wo der Mensch möglichst wenig eingreift, lassen sich Veränderungen durch den Klimawandel oder andere Umweltfaktoren besonders gut dokumentieren.
Den Auftakt der Pressereise bildete ein Vortrag von Sylvia Flucher, MSc, Mitarbeiterin im Bereich Forschung & Naturraummanagement im Nationalpark Hohe Tauern Salzburg, die einen Einblick in die Forschungsarbeit des Nationalparks Hohe Tauern gab. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum Forschung zu den Kernaufgaben eines Nationalparks gehört und welchen Beitrag wissenschaftliche Erkenntnisse für Naturschutz, Management und gesellschaftliche Entscheidungen leisten.
Wenn Natur wieder wild wird
Am zweiten Tag führte eine Exkursion in das Untersulzbachtal zur Aschamalm – einem außergewöhnlichen Freilandlabor für die Erforschung natürlicher Entwicklungen. Nationalparks gliedern sich grundsätzlich in eine Außenzone, in der traditionelle Nutzungsformen und Kulturlandschaften erhalten werden, sowie in eine Naturzone, beziehungsweise Kernzone im Nationalpark Hohe Tauern, in der natürliche Prozesse möglichst unbeeinflusst ablaufen können. Das Untersulzbachtal nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Hier schließt sich mit dem Wildnisgebiet Sulzbachtäler eine weitere, besonders streng geschützte Zone an. Als nach den Kriterien der IUCN anerkanntes Wildnisgebiet 1b bietet sie der Natur den größtmöglichen Raum zur freien Entwicklung.
Seit mittlerweile zehn Jahren wird die ehemalige Almfläche auf der Aschamalm nicht mehr bewirtschaftet. Gemeinsam mit Sylvia Flucher und Ranger Matthias Lennert konnten die Teilnehmer:innen beobachten, wie sich die Vegetation seither Schritt für Schritt verändert.
Das vegetationsökologische Monitoring dokumentiert diese Entwicklungen langfristig und liefert wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich alpine Lebensräume ohne menschliche Nutzung entwickeln.
Während der Exkursion zeigte sich, wie vielfältig sich die Natur auf den sich selbst überlassenen Flächen entwickelt. Neben zahlreichen Farnen, verschiedenen Orchideenarten und den charakteristischen Hauswurzen auf Felsen und Steinen entdeckten die Teilnehmer:innen auch einen Alpensalamander sowie ein paar Gämsen aus der Ferne.
Viele dieser Pflanzen profitieren davon, dass die Flächen nicht mehr beweidet werden: Orchideen und Farne könnten durch Fraß oder Tritt der Weidetiere beeinträchtigt werden, während Hauswurzen auf Felsen und Steinblöcken oft dort wachsen, wo sich Rinder beim Weiden an den Steinen reiben würden. Das Monitoring macht diese schrittweisen Veränderungen sichtbar und zeigt, wie sich Lebensräume entwickeln können, wenn natürliche Prozesse wieder Vorrang haben.
Alpensalamander.
Hauswurz.
Komplexe Ökosysteme besser verstehen
Am Abend stand die Frage im Mittelpunkt, wie komplex Ökosysteme tatsächlich sind. Dr. Gunther Greßmann, Mitarbeiter im Bereich Forschung und Naturraummanagement im Nationalpark Hohe Tauern Tirol, erläuterte in seinem Impulsvortrag, welche Herausforderungen Forschung im Hochgebirge mit sich bringt und warum viele ökologische Zusammenhänge erst nach Jahrzehnten erkennbar werden.
Anhand aktueller Beispiele – darunter Bartgeier, Schneehuhn und Alpensteinbock – zeigte er, dass erfolgreicher Artenschutz weit über die Wiederansiedlung einzelner Arten hinausgeht. Entscheidend ist der Schutz funktionierender Lebensräume und natürlicher Prozesse. Gleichzeitig wurde deutlich, wie eng Artenvielfalt, genetische Vielfalt und klimatische Veränderungen miteinander verknüpft sind.
Beobachtungen im Gelände
Während der Exkursion standen Wildtierbeobachtungen und Einblicke in die Forschungsarbeit des Nationalparks im Mittelpunkt. Gleich zu Beginn konnte eine Steingeiß mit ihrem Kitz beobachtet werden, später zeigte sich ein Rudel mit sieben Alpensteinböcken, das sich aus nächster Nähe gut beobachten ließ. Auch Murmeltiere begleiteten die Wanderung – ihre charakteristischen Warnpfiffe waren immer wieder zu hören, einige Tiere ließen sich sogar aus kurzer Distanz beobachten.
Anhand des Alpensteinbocks erläuterte Dr. Gunther Greßmann aktuelle Forschungsergebnisse zu den Herausforderungen des Artenschutzes. Obwohl die Wiederansiedlung der einst nahezu ausgerotteten Art als Erfolgsgeschichte gilt, stellt die geringe genetische Vielfalt viele Populationen heute vor neue Probleme.
Blick auf den Großglockner.
Murmeltier
Steinbock.
Nationalparks Austria: Gemeinsam für Österreichs Schutzgebiete
Organisiert wurde die Pressereise von Nationalparks Austria, dem Dachverband der sechs österreichischen Nationalparks. Ziel der Veranstaltung war es, Journalist:innen einen unmittelbaren Einblick in die Forschungsarbeit der Nationalparks zu ermöglichen und die Bedeutung langfristiger wissenschaftlicher Beobachtungen für den Schutz unserer natürlichen Lebensräume sichtbar zu machen.
Denn Forschung im Nationalpark dient nicht der Wissenschaft allein. Sie schafft Wissen, das notwendig ist, um Arten und Lebensräume langfristig zu erhalten, Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen für den Naturschutz der Zukunft treffen zu können.
Die Pressereise machte eindrucksvoll deutlich: Erfolgreicher Arten- und Lebensraumschutz beginnt mit dem Verstehen natürlicher Prozesse. Und genau dafür bieten die österreichischen Nationalparks einen einzigartigen Raum – als Schutzgebiete, Bildungsorte und lebendige Freilandlabore zugleich.
Text: Nationalparks Austria, 01.07.2026
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