Bartgeier
im Nationalpark
Zum Abschluss unserer diesjährigen Reihe „Ö1 Club-Exklusiv“ ging es für Ö1 Club-Mitglieder in den Nationalpark Hohe Tauern. Bei strahlendem Sonnenschein führte die letzte gemeinsame Exkursion des Jahres letzten Sonntag ins Krumltal, eines der bedeutendsten Beobachtungsgebiete für Bartgeier im Alpenraum.
Das Krumltal hat eine besondere Geschichte: Falsche Verdächtigungen, Lügen und Schauermärchen führten zu Beginn des 20. Jahrhunderts dazu, dass der Bartgeier in den Alpen ausgerottet wurde. 1986 begann mit den ersten Freilassungen im Krumltal die Wiederansiedlung der Art. Durch die Zusammenarbeit von Zoos und Zuchtstationen, Artenschutzorganisationen und Schutzgebieten konnten seither über 260 junge Bartgeier im gesamten Alpenraum freigelassen werden. Heute wird der alpenweite Bestand auf rund 475 Individuen (Stand 2025) geschätzt.
Gemeinsam mit dem Ranger Roland Fricker machte sich die Gruppe vom Parkplatz Krumltal entlang des Krumlbaches auf den Weg ins Tal. Immer wieder wurde Halt gemacht, um mit Ferngläsern und Spektiven die umliegenden Gipfel und Felswände abzusuchen. Die Teilnehmer:innen waren dabei aufmerksam und interessiert und konnten zahlreiche Tiere entdecken: Bis zu acht Gänsegeier waren gleichzeitig zu sehen, außerdem zeigten sich ein Steinadler, Kolkraben und Mäusebussarde. Auch die Rufe von Murmeltieren waren immer wieder zu hören, bevor sich einige der Tiere schließlich auch blicken ließen.
König der Lüfte
Das Highlight des Tages ließ aber nicht lange auf sich warten: An einem Bartgeierhorst blieb die Gruppe stehen und nahm den Horst mit Spektiven und Ferngläsern genau unter die Lupe. Tatsächlich saß ein Bartgeier darin und ließ sich ausgiebig beobachten.
Mit einer Spannweite von fast drei Metern zählt der Bartgeier zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Charakteristisch sind seine langen, schmalen Flügel, der lange keilförmige Schwanz und der dunkle Kopf mit dem markanten schwarzen Bart. Die orange-rötliche Färbung an Brust und Bauch ist übrigens nicht natürlich: Durch Schlammbäder in eisenoxidhaltigem Schlamm färbt der Bartgeier sein Gefieder selbst. Wegen seiner imposanten Erscheinung wird er oft als „König der Lüfte“ oder „König der Alpen“ bezeichnet.
Nach einiger Zeit flog er aus dem Horst und zog direkt über die Gruppe hinweg, bevor er auf der gegenüberliegenden Talseite entlang der Felswände weiterflog. Dabei konnten die Teilnehmer:innen eindrucksvoll beobachten, wie der große Greifvogel die aufsteigenden Luftströmungen nutzt und nahezu ohne Flügelschläge durch die Luft gleitet.
Bartgeier.
Die gemütliche Wanderung führte anschließend bis zur Bräualm, wo bei einer gemeinsamen Jause eine wohlverdiente Pause eingelegt wurde. Auf dem Rückweg wartete noch eine besondere Beobachtung: Eine Teilnehmerin entdeckte unter einem Felsvorsprung eine Gams, die die Gruppe ganz in Ruhe beobachten konnte. Zum Abschluss waren schließlich noch röhrende Hirsche zu hören. Gerade ist Hirschbrunft: Mit ihrem lauten Röhren machen die Hirsche auf sich aufmerksam und werben um die Weibchen.
Damit ging eine besonders stimmungsvolle letzte Ö1 Club-Exklusiv-Exkursion für dieses Jahr zu Ende. Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmer:innen für das große Interesse und an unseren Ranger für die spannende Begleitung und die vielen Einblicke in die Welt des Bartgeiers und die Natur des Nationalparks Hohe Tauern!
Text: Nationalparks Austria, 22.09.2026
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