Rangergeschichte

"Aliens" im
Nationalpark

Seit über zehn Jahren sorgt Nationalpark Rangerin Christina Remschak (Gesäuse) mit ihren Kolleginnen und Kollegen dafür, dass heimische Pflanzen nicht allzu viel Konkurrenz von invasiven Neophyten bekommen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt intakter und natürlicher Lebensräume.

Frau Christina Remschak
(c)Heinz Peterherr

Wo sind sie?

Noch ist die Luft angenehm kühl – das wird heute aber nicht lange so bleiben. Darum schwärmen wir rasch in den steilen Lawinenhang aus, um ihn nach Kanadischen Goldruten abzusuchen. Seit wir diese eingeschleppte Art, die sich seit 1950 explosionsartig in Europa ausbreitet, bekämpfen, werden die Pflanzen von Jahr zu Jahr weniger, sind dadurch aber auch immer schwerer zu finden. Hier geht es los! Meine Kollegin ist bereits den Hang hinab und macht sich an einem größeren Horst zu schaffen. Mit einem kleinen Klappspaten versucht sie, die Pflanze mitsamt den Wurzeln auszugraben – das erwies sich bisher als effektivste Bekämpfungsmethode. Ich widme mich inzwischen den vielen kleinen Pflanzen am Wegrand, die sich händisch ausziehen lassen. Habe ich einen kleinen „Strauß“ gepflückt, hänge ich ihn zum Austrockenen an eine Astgabel - der Abtransport der Pflanzen ist in diesem Gelände zu aufwendig.

Menschen arbeiten in einer Wiese.
(c)Remschak

Wozu das Ganze?

Als invasive Neophyten („Aliens“) bezeichnet man Pflanzen, die seit der Entdeckung Amerikas direkt oder indirekt vom Menschen eingeschleppt wurden und das Gleichgewicht der heimischen Flora stören. Meine Gedanken schweifen zum Thymian-Ameisenbläuling ab, ein Schmetterling, der hier sein einziges Vorkommen im Nationalpark hat und europaweit geschützt ist. Seinen Lebensraum möchte ich erhalten. Langsam wird es wärmer und Schweiß rinnt mir über die Stirn, die bückende Arbeit strengt den Rücken an. Immer wieder kommen mir Zweifel über den Sinn der Anstrengung. Haben wir überhaupt noch eine Chance, ihr Vordringen zu bremsen oder gar zu verhindern? Dann kommen mir Bilder von Gebieten in den Sinn, die von Neophyten zugewachsen sind. Das ist also die Alternative! – Nein, keine Alternative für ein Schutzgebiet, sage ich mir.

Eine Frau steht in einer Wiese.
(c)NP Gesäuse
Pflanze mit Rosa Blüten. Das Drüsige Springkraut
(c)Maringer

Wie alles begann

… im Rahmen des LIFE-Projekt des Nationalparks von 2006-2010. Damals tauchte beim Themenweg in der Lettmair Au ganz viel Drüsiges Springkraut auf. Im Zuge dieses Projekts wurde beschlossen, es zu bekämpfen, damit in der Au auch wirklich entsprechende Auvegetation erhalten bleibt. 2008 war ich zum ersten Mal „in den Neophyten“. Seither hat sich viel verändert. Für Gäste sind die „Aliens“ kaum wahrnehmbar, sodass ich schon zweimal während einer Führung gefragt wurde: „Habt Ihr DIE denn gar nicht bei Euch?“ – gemeint waren Drüsiges Springkraut & Co. Da merkte ich, dass die Arbeit doch nicht umsonst ist! Viel ist schon geschafft, aber Neophyten tauchen an immer neuen Stellen auf, vor allem an Wegen, Straßen und den Grenzen des Nationalparks. Da heißt es: Wachsam sein – und rasch handeln. Je früher man die Pflanzen entfernt, umso weniger Arbeit macht das – und sie können keine Samen für weitere Generationen bilden.

Nun aber weiter – da unten wartet noch ein Haufen Springkraut auf uns! Und morgen ist der Bestand des Japanischen Staudenknöterichs am Ennsufer dran. Der muss ausgegraben werden, damit er optimal geschwächt wird. Dann müssen wir alle Pflanzenteile gewissenhaft einsammeln, da die kleinsten Sprossstücke und Wurzelteile wieder austreiben können, wenn sie im Gelände unabsichtlich verstreut werden. Wie viele Säcke werden diesmal zusammenkommen? Hoffentlich weniger als beim letzten Mal, so dass wir nicht ganz so viel über den steilen Abhang zur Straße hochschleppen müssen. Vielleicht brauche ich da noch Hilfe – mal sehen, wer Zeit und „Lust“ hat!

 

Mehr Informationen

 

Text: Christina Remschak

Staudenknöterich
(c)Bock
Staudenknöterich liegt auf einem Plastiksack
(c)Remschak

 
 

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