Naturschutz
Naturschutz im Nationalpark bedeutet nicht Konservierung eines Zustandes, sondern meint dynamischen, prozessorientierten Schutz. Dies führt manchmal zu überraschenden Resultaten, da sich Natur nicht exakt vorherbestimmen lässt. Es ist daher unerlässlich, die Entwicklungen genau zu dokumentieren und - nur wenn unbedingt nötig - regulierend einzugreifen. Darüber hinaus wird versucht, ursprüngliche Ökosysteme, die durch den Eingriff des Menschen gravierend verändert wurden, wiederherzustellen. Beispiele dafür sind die Öffnung der Altarme der Donau zur Wiederherstellung der Au-Dynamik oder die Förderung bestimmter Waldgesellschaften in den Nationalparks Thayatal, Gesäuse und Kalkalpen. Die für den "Prozessschutz" (Anm.: Terminus der IUCN) definierten Flächen decken die für den jeweiligen Nationalpark charakteristischen Lebensräume, etwa Überschwemmungsgebiete, alpine Rasen, Gletscher und Gletschervorfeld, Gewässer, Salz- und Sandlebensräume, Schilfgürtel, Schutt und Lawinenräume sowie Wälder, ab.
Die Kulturlandschaften in den Nationalparks, in denen sich über viele Jahrhunderte einmalige und oft sehr artenreiche Lebensräume entwickelt haben, werden unter entsprechenden Maßnahmen erhalten. Diese Managementmaßnahmen sind auf definierten Flächen notwendig und zielführend. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass der durch die IUCN festgelegte Anteil von 75 % eingriffsfreie Naturzone nicht unterschritten wird. Die prognostizierenden Auswirkungen des Klimawandels werden bei allen Maßnahmen ebenfalls berücksichtigt.
Vertragsnaturschutz
Wirtschaftliche und sonstige Nutzungen sind besonders sensible Bereiche bei Errichtung und Betrieb eines Nationalparks. Im Rahmen des Vertragsnaturschutzes konnten schrittweise Lösungen für die Bereiche Jagd, Fischerei sowie Land- und Forstwirtschaft gefunden werden. Die traditionelle Trophäenjagd wird zunehmend durch ökologisches Wildtiermanagement abgelöst. Grundlage dafür ist das von der Koordinierungsrunde der sechs österreichischen Nationalparks beschlossene „Leitbild für das Management von Schalenwild in Österreichs Nationalparks“. Damit wurden die gemeinsamen Ziele, Prinzipien und Standards für das Schalenwildmanagement in den österreichischen Nationalparks abgestimmt und festgelegt.
Die konkrete Umsetzung dieses „Leitbildes“ findet u.a. im Kärntner Teil des Nationalparks Hohe Tauern statt, wo ein 22.000 Hektar großes Jagdrevier durch die Nationalparkverwaltung gepachtet wurde um herkömmliche Jagd durch nationalparkgerechtes Wildtiermanagement zu ersetzen. Im Bereich der Land- und Forstwirtschaft erhalten betroffene Bauern Ausgleichszahlungen für Ertragsminderungen bei Umstellung auf nationalparkkonforme, extensive Bewirtschaftung, ebenfalls gefördert wird eine nationalparkgerechte Almwirtschaft.
Managementpläne
Zu den Zielen eines Nationalparks zählen, Ökosysteme, die durch menschliche Nutzungen stark verändert wurden, wieder in naturnahe Systeme überzuführen. Das Naturraum-Management eines Nationalparks sollte somit Art und Ausmaß der Maßnahmen in vorgeschriebenen Managementplänen der Nationalparkverwaltungen festgelegen, die für die Umwandlung der betroffenen Bestände (etwa Waldgesellschaften, Wiesen) vorgesehen sind.
Die Bewahrungszone dient in erster Linie dem Erhalt der Kulturlandschaft, weshalb traditionell betriebene Almwirtschaft (Hohe Tauern, Kalkalpen) oder Beweidung (Neusiedler See-Seewinkel) unter bestimmten Auflagen gefördert werden. Dafür wurden spezielle Pflegemaßnahmen entwickelt, wie etwa die Mahd im Nationalpark Thayatal oder die Beweidung durch Rinder, Pferde und Esel im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel.
Für die Fischerei sind Regelungen hinsichtlich des Besatzes mit standortfremden Arten notwendig, aber auch Einschränkungen bei der Befischung. Als wichtige Grundlage für die Managementpläne und die Bestandskontrolle wird durch Elektrofischen die Zusammensetzung der Fischfauna ermittelt.
Beim Waldmanagement wird versucht, unbedingt notwendige Eingriffe möglichst schonend vorzunehmen. Grundsätzlich soll der Wald möglichst naturnah sein. So werden etwa im Nationalpark Kalkalpen, dem "Waldnationalpark" Österreichs, durch entsprechende Umwandlungsmaßnahmen aus Fichtenforsten wieder standortgerechte Mischwälder.
Artenschutzprojekte
In den Nationalparks laufen auch Artenschutzprojekte, etwa die Wiederansiedelung des Bartgeiers und der Urforelle in den Hohen Tauern oder das Sumpfschildkröten- bzw. Hundsfischprojekt in den Donau-Auen. Weitere Projekte mit gefährdeten Tierarten betreffen die Großtrappe, den Stein- und Seeadler.